Vom Schatz im Acker

 

Predigt-Text: Mt 13,44:

 

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte den Acker

 

Liebe Gemeinde,

 

das ist das kürzeste Gleichnis, das der Herr je erzählt hat. Ein Satz lang! Es scheint um’s Wertvollste überhaupt zu gehen, aber es ist so kurz.

 

Als ich meinen Kindern in ihrer frühmittelalterlichen Legozeit Gutenachtgeschichten erzählte, wären sie mit nur einem Satz nicht zufrieden gewesen. Die Leute damals waren ehrlich gesagt auch nicht zufrieden mit dem einen Schatz-Satz. Jesus hat das gewagt, was ich mich beim Geschichten erzählen nicht getraut habe: Er hat sie alle ordentlich enttäuscht. Ja darf er das denn, als Gottes Sohn?

 

Gerd Wender hat in Wien Medizin studiert, als die Rolling Stones ihr berühmtes „I can’t get no satisfaction“ durch die Welt dröhnten. Der spätere Doktor ging darauf mit einem T-Shirt zu den Vorlesungen auf dem stand: „Jesus satisfies“. Wer hatte recht, Mick Jagger oder Gerd Wender?

 

Jesus enttäuschte hier mit seinem Gleichnis bewusst. Die Interessierten, die – nicht im medizinischen Sinn - ein offenes Herz hatten, fragten ihn danach, was er damit meinte.

Die anderen, die ihm mehr oder weniger aggressiv gegenüber standen und einen Grund suchten, ihn in die Wüste zu schicken, die enttäuscht er, schlicht mit einer unverfänglichen kurzen Geschichte, aus der sie nicht schlau wurden.

 

„Worum geht es hier?“, fragten die, die später Christen wurden. „Worum geht es hier?“, fragen die, denen Gott ein offenes Herz geschenkt hat und die nach „Satisfaction“ dürsteten, die niemand geben kann, außer Gott.

 

Worum geht es hier? – Um den Himmel auf Erden in 3 Punkten:

 

A. Das Himmelreich ist ein Schatz

B. Das Himmelreich ist ein verborgener Schatz

C. Das Himmelreich muss ich haben

 

A. Das Himmelreich ist ein Schatz

 

Es ist ein Thesaurus, wie es im griechischen Grundtext steht. Thesaurus – das ist heute ein Nachschlagewerk in dem man andere Ausdrücke für ein Wort finden kann.

Damals war damit ein wirklicher Schatz gemeint: Gold, Wertgegenstände. Aber auch das, was heute gilt: „Sie“ – oder „er“ waren auch „der Schatz“, an den ich mein Herz verloren habe.

 

Wir lieben Schätze.

1936: Archäologieprofessor Henry Jones jr., genannt „Indiana Jones“ oder „Indy“, kehrt gerade von haarsträubenden Abenteuern im Dschungel Perus in die USA zurück, als er Besuch vom Geheimdienst bekommt. Jones soll für die Regierung die verschollene Bundeslade, in der Moses die Zehn Gebote aufbewahrte, wiederfinden. Die Amerikaner sind aus gutem Grund daran interessiert, den Schatz so schnell wie möglich sicherzustellen, weil auch Adolf Hitler hinter ihm her ist. Man sagt nämlich, dass die Armee, die die Lade bei sich hat, unbesiegbar sei. Also sucht Indy den verlorenen Schatz und - die berühmten Spielberg Filme mit Harrison Ford beginnen. In allen Filmen geht es um verlorene Schätze.

 

Tolkiens Trilogie „Herr der Ringe“ ist besetzt mit lauter tragischen Gestalten. Die tragischste von allen ist Smirgol. Besessen und getrieben murmelt immer wieder das eine: „Mein Schatz“.

Menschen sind dauernd auf der Suche nach Schätzen. Wir sind besessen, bis wir gefunden haben, oder vom Schatz besessen sind.

 

3 Probleme:

 

1. kein Schatz der Welt ist gut genug, um uns gut zu tun.

2. jeder Schatz der Welt bestimmt und versklavt uns.

3. der echte Schatz, der uns gut tut, den können wir nicht sehen.

 

Der Herr Jesus warnte in der Bergpredigt vor falschen Schätzen: Mt 6:19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen. 20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die Diebe nicht einbrechen und stehlen. 21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.

 

Er warnt tatsächlich davor, sein Herz zu verlieren. Weil man es nicht mehr wieder findet und weil es gefangen oder verletzt wird. Wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz, logisch und da hängen dann deine Motivation, deine Lebensgestaltung und dein Leben dran. Logisch.

Grundsätzlich sucht und hat jeder seine Schätze & Schätzchen, egal ob Geld, Frau, Haus, Auto, Hobby. Aber: nicht ich besitze den Schatz, er besitzt mich.

 

Im kürzesten Gleichnis weist der Herr Jesus darauf hin. Wir sind alle mehr oder weniger besessen von Schätzen, aber der wahre Schatz, auf den wir nicht verzichten können, der unser Leben wieder mit Gott versöhnt, unsere Defizite tilgt, uns zurecht bringt fürs Leben, uns davor bewahrt, den vielen untauglichen Schätzen auf den Leim zu gehen – dieser einzig taugliche Schatz ist im Himmelreich auf Erden - und das ist fast völlig verborgen.

 

B. Das Himmelreich ist ein verborgener Schatz

 

Der Schatz im Gleichnis ist vergraben auf einem Acker. Nicht zu sehen. Nicht zu finden, außer man wird offensichtlich mit der Nase darauf gestoßen.

Er ist unseren Sinnen entschwunden. Wir haben keinen Zugang. Das Himmelreich ist nicht von dieser Welt, sagt der Herr Jesus dem römischen Statthalter.

 

Vor zwei Wochen wurde der mit 1,5 Millionen Euros dotierte Wittgensteinpreis dem Quantenphysiker Markus Arndt verliehen. Ludwig Wittgenstein, der an und für sich bedeutendste Geisteswissenschafter des 20. Jahrhunderts, beerdigte die klassische Philosophie mit ihrer Suche nach dem Sinn des Lebens. Er wies nach, dass wir Menschen nicht fähig sind, den Sinn zu erkennen, denn er muss vom Schöpfer, von Gott offenbart, werden. Uns fehlen die Sinne, den Sinn zu erkennen. Auch das Genie Wittgenstein fand ihn nicht, weder in der Einsamkeit, noch als Offizier auf den Weltkriegschlachtfeldern, noch als Architekt in Wien, noch als Professor an der Eliteuniversität Cambridge. Unser Sinn ist verborgen und muss offenbart werden. Wir haben keinen Zugang zum Schöpfer. Das größte Elend für die Welt ist, dass sie sinnlos ist - außer sie kriegt den Schatz offenbart.

 

Ein weiterer Wiener, Viktor Frankl, ebenfalls Genie, Neurologe, Psychoanalytiker, Philosoph, 16-facher Doktor, erkannte in seinen Forschungen das Elend: Der wichtigste Trieb des Menschen ist der „Trieb nach Sinn“.

Zum Sinn getrieben, aber wieder fehlen die Sinne, ihn auch zu bekommen.

Also gibt man sich einen Sinn und Identität durch falsche Schätze. - Geld, Haus, Beruf, Partner, Hobby, Chillen, Lustgewinn werden zu Schätzen, die uns Sinn geben und unser Leben bestimmen und besitzen.

Frankl, der Wittgensteins Erkenntnis sehr wohl kannte, sagte: Nein, das ist sinnlos. Aber Gott offenbart sich und du findest den Sinn in der Kirche – wenn sie das Evangelium hat und lehrt.

 

Der Acker im Gleichnis ist das Evangelium.

Der Schatz ist Jesus Christus.

Frankl war Jude. Er hatte also mit der Bergpredigt und den Gleichnissen von Jesus nicht allzu viel auf dem Hut gehabt. Aber er hat mit Wittgenstein zusammen das Elend der Welt erkannt und aufs Himmelreich gewiesen.

 

Der Herr Jesus ist der Schatz, der uns den Sinn nicht nur zeigt, sondern auch gibt, indem er uns fürs Reich der Himmel tauglich macht und hineinversetzt.

 

Das Himmelreich wird auch Reich Gottes oder Königreich der Himmel genannt. Es ist jetzt nicht so sehr sichtbar.

Das sichtbare Himmelreich ist dort, wo der im Acker verborgene Schatz gefunden und ausgegraben wurde. Das sichtbare Himmelreich ist die Kirche Jesu, die auf ihn hört, in der sein Wort gilt.

Der Herr Jesus ist im Evangelium verborgen. Das können zwar alle lesen, es ist ja reichlich da. Aber es wird nicht gelesen und wenn es gelesen wird, heißt es nicht, dass es auch verstanden wird.

Gottes Offenbarung, die ganze Bibel – auch das Alte Testament – weist auf ihn hin, ist also auch Evangelium. Wie aber findet man in dem soliden Wort Gottes, das als Gottes Offenbarung sehr gut nachgewiesen und überliefert ist den Heiland, den Christus, den Versöhner, den Sohn Gottes, den Schatz, der unser Leben erlöst und recht und gut macht?

 

Römer 10 sagt es sehr schlicht. Du musst den Heiland nicht aus dem Himmel herabholen und nicht aus der Hölle heraufholen. Er ist dir nahe in seinem Wort und dem Glauben daran. Woher aber kommt der Glaube? Aus der Predigt. Die Predigt aber kommt aus der Hl. Schrift.

 

Liebe Gemeinde, darum sind wir „evangelisch reformiert“. Evangelisch heißt, dass wir das Evangelium – das von Gott kommt und Jesus Christus als Erlöser zum Inhalt hat, erkannt haben und genießen.

Reformiert heißt schlicht, dass wir uns immer wieder um Gottes Wort formieren, ums Evangelium, um den, der uns von Gott gegeben wurde.

 

C. Das Himmelreich muss ich haben

 

Wenn schon in der Welt die schönen Schätze und Schätzchen verfolgt werden und Indiana Jones zu unserer Unterhaltung soviel Gewürm und Gesocks überwindet, um an den Schatz zu kommen, dann sollten wir das beim wirklichen Schatz, der uns von Gott gegeben ist – auch tun. Was bringt er, dass im Gleichnis der Mann, der ihn sieht, alles verkauft, um den Acker und damit den Schatz zu gewinnen?

 

Was ist da in der verborgenen Schatzkiste drinnen?

 

1. Einmal der Sinn, die Identität. Du weißt, wer du bist, woher du kommst, von Gott, du weißt, wohin du gehst: Zurück in die Gemeinschaft mit Gott. All das hat der Herr Jesus hergestellt, indem er sich mit unseren Sünden abplagte: Er brachte all die gute Leistung, die Gott von uns verlangt und bezahlte alle unsere Schulden bei Gott. Jesus rechtfertigt - Jesus justifies.

 

2. Damit verwirklichte er das, was niemand mehr nehmen kann: Immanuel, Gott mit uns. In allen Höhen und Tiefen, Problemen und Freuden, ist Gott mit mir, nicht gegen mich. Nie gottverlassen, nie alleine, nie ohne Hilfe, nie ohne Beistand, nie ohne Ausweg, nie ziellos. Gott mit uns. Ps 139 Und wenn ich auch wandere im Tal der Todesschatten fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir, Ps 23. Und wenn ich mich auch an Luxus und Überfluss freue, habe ich keine Angst, denn du schenkst mir voll ein und zügelst meinen Übermut. Der gute Hirte tut gut. Jesus satisfies.

 

3. Und wenn die Sorgen kommen und die sind treue Begleiter im Leben, dann ist im Himmelreich der Herr noch treuer. All eure Sorgen werft auf ihn, denn er sorgt für euch. Er kann das tun als der allmächtige Gott und will das tun als der treue Vater. Das ist eine sportliche und relaxed machende Gabe des Herrn Jesus aus der Schatzkiste des Himmelreichs. Sorgen kommen immer wieder, sie zermürben, machen die Psyche krank, schlagen auf den Magen. Die, die im Himmelreich sind, sollen per Befehl des Herrn des Himmelreichs auf Erden, die Sorgen auf ihn werfen. Das ist sehr lieb und sehr sportlich, denn wenn wir werfen, kommen sie wieder zurück. Wir müssen wieder werfen und sie kommen wieder zurück. Es braucht eine Zeit des Himmelreichtrainings, bis sie nicht wieder zurück kommen. Erst wenn wir nach einigen Erfahrungen gemerkt haben, dass der Allmächtige, sich um Jesu Willen, tatsächlich darum kümmert, werden wir relaxed, entspannt und dankbar. Jesus satisfies.

 

4. Es gibt eigentlich noch recht viele praktische Schätze in der Schatzkiste des Himmelreichs. Wie etwa die beste Ehefrau von allen zu gewinnen oder ein Bild von einem Mann zu werden. Nur ein Goldstück aus der Schatzkiste will ich noch nennen. Klingt uninteressant, glänzt im ersten Moment gar nicht. Man kann lange daran vorbei gehen, ohne es zu wollen oder es zu gebrauchen oder es für nötig zu finden. Das Goldstück heißt Reinheit. Schon einmal ein schlechtes Gewissen gehabt? Schon einmal nicht einschlafen können, weil ich mit irgendjemanden oder irgendetwas nicht im Reinen war? Schon jemand lieber ausgewichen, weil ich was verbockt habe? „Nicht im Reinen Sein“ und auch das Neudeutsche „verbockt“ sind Lebensvergifter. Reinheit und der Sündenbock tun da not. Sie bewahren vor dem Hineinfressen und Verdrängen von dem, was auf Dauer unverdaubar ist und unverdrängbar ist. – Warum lesen wir im Gottesdienst die 10 Gebote und bekennen die Sünde? – Weil wir damit Gott ehren, der seinen Sohn zu unserer Reinheit gesandt hat und ihn zu unserem Sündenbock gemacht hat. Das ist nicht nur Ehre Gottes, das ist auch Entlastung, die erfrischende reinigende Volldusche für unser Leben. Regeneration. Tut Gott gut. Tut uns gut, denn Jesus clarifies and satisfies.

 

Schluss

 

Sorry, wir haben nicht alle Zugang zur Philosophie und ihrer Grablegung im Tractatus Logico philosphicus.

 

Wir haben auch nicht alle Zugang zu Frankls psychologischen Erkenntnissen und Logotherapie.

 

Aber wir haben alle Schatz und Schätzchen, die diese 2 Genies zunichte machen.

 

Wir müssen uns von diesen – nach meiner Meinung – bedeutendsten Männern des 20. Jahrhunderts und Wegbereitern des 21. Jahrhunderts die Frage stellen lassen, was denn unser Sinn und Schatz ist, der uns besitzt und nicht befriedigt – Can’t get no satisfaction.

 

Und von Gott müssen wir uns besser jetzt als zu spät eventuell die Frage stellen lassen, was wir mit dem einzig wirklichen voll befriedigenden Schatz, dem Herrn Jesus, tun. Es lohnt sich, alles dran zu setzen, ihn zu gewinnen.

 

Das Himmelreich ist noch nicht so gut sichtbar. Es ist „ja nur seine Kirche“.

Der Schatz selbst ist auch noch recht verborgen. Es ist „ja nur“ der Herr Jesus.

Aber sein Himmelreich reicht bis zur Erde und wer hier drin ist, ist auch schon im Himmel drin – und er hat schon hier so viele gut tuende befreiende befriedigende Schätze.

 

Jesus satisfies.

 

Amen

 

30. November 2008