Gesetz ist Gesetz - and that's the problem!
 
Text: Mt 5,17-26: Mt 5,17-26:

Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. 18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht (ein) Jota oder (ein) Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis alles geschehen ist. 19 Wer nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und so die Menschen lehrt, wird der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Reich der Himmel. 20 Denn ich sage euch: Wenn nicht eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer weit übertrifft, so werdet ihr keinesfalls in das Reich der Himmel hineinkommen. 21 Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein. 22 Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird. 23 Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar! 25 Komm deinem Gegner schnell entgegen, während du mit ihm auf dem Weg bist! Damit nicht etwa der Gegner dich dem Richter überliefert und der Richter dem Diener und du ins Gefängnis geworfen wirst. 26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst (nicht) von dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig bezahlt hast.

 

Zeit:

Jahr 29, Jänner/Februar

Ort:

Bergpredigt 200 m unter dem Meeresspiegel,
Nordufer des Sees Genezareth

Situation:

Jesus ist bekannt, beliebt - und bekommt Vorwürfe zu hören, er würde das Gesetz auflösen. - Er beginnt seine Lehrpredigt über das 'Reich Gottes'. Jesus preist die "insider" glückselig und reizt damit die "outsider" zum Eintreten.
Ab Vers 17 geht er auf die Vorwürfe ein und stellt klar, daß er keinesfalls das Gesetz auflöst, sondern erfüllt. Dann zeigt er, daß die Ankläger selbst das Gesetz aufgelöst haben.

Hoch-, Nieder- und Entspannung der Spannung

Vers 17 Meint nicht, dass ich gekommen sei ...
Jesus ist gekommen, den Willen seines Vaters zu tun. Als einziger Mensch hat er das auch vollkommen getan. Als Sohn Gottes kommt es für ihn nicht in Frage die Einheit mit seinem Vater zu zerstören. Das hat er in der Versuchung in Matthäus 4 deutlich gezeigt. Wie könnte er seinem Vater in den Rücken fallen, indem er ungültig macht, was der durch seine Boten angeordnet hat. - Nein, er bringt es zur Geltung! Er stellt sich unter das Gesetz. Mit Gesetz ist hier die Torah, die fünf Bücher Mose gemeint. Dazu kommen die Prophetenbücher. Torah heißt übersetzt "Weisung (zum Leben)". - Wir alle kennen daraus die Zehn Gebote.

Wenn Jesus etwas "aufgelöst" - oder "zerstört" hat, wie das griechische Wort katalüso, übersetzt werden kann, dann ist es die Herrschaft der Sünde (Röm 6.6), die sich auch im 'Verbiegen und Verdrehen' der Torah auswirkt.
Was Jesus nicht zerstört hat, ist das Hintergehen des göttlichen Gesetzes. Gesetze werden hintergangen. Das ist nicht nur hier das Problem, sondern auch in jedem Staat. Jesus macht hier sichtbar, was dem Übertreter selbst vielleicht gar nicht so sichtbar war.

Wie wird Gottes Weisung zum Leben umgangen?
Man reduziert den Sinn der Weisung auf den Buchstaben, auf das Niedergeschriebene.
Der Sinn davon und das Ziel werden aus dem Mittelpunkt gerückt.
Es steht nicht die Absicht der Weisung zur Frage, sondern nur der Text.
Das Moralgesetz wird zum Strafgesetz
Die Regel, die Zusammenleben fördern soll - wird zum "Soweit darfst du gehen, damit du nicht bestraft wirst".
Hier tritt ist das Problem auf, dass wir generell und von Natur aus zum Schlechten neigen. Die Weisung ist zu hoch für Sünder. Wer hat es je geschafft Gott und den Nächsten mit aller "herzlichen seelischen und geistigen Kraft" zu lieben. Nur Jesus! -

Es ist wie wenn wir unser Küchengerät an einer Hochspannungsleitung anhängen wollen, die eine Spannung von bis zu 750.000 Volt hat. Erstens kommen wir mit dem Mixer in der Hand nicht hoch. Zweitens, ist es tödlich. Man muss die Spannung auf uns passende 220 Volt heruntertransformieren.
Das haben die Pharisäer mit der Torah getan. Sie konnten sie nicht befolgen, weil sie zu hoch war. So haben sie auf Niederspannung umgewandelt, damit sie ihr ganz gerecht werden konnten. Damit haben sie aber der Weisung Sinn und Ziel genommen. Ein Kurzschluss!
Entspannung bringt Jesus, der von der Sünde isoliert, uns emporhebt zum ursprünglichen Sinn der Weisung und uns fähig macht danach zu handeln. - Nicht perfekt - aber ehrlich - mit genug Grund immer wieder um seine Hilfe und Vergebung zu bitten.

Wie sieht das Herunterspannen aus?

Vers 21. Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht töten; wer aber töten wird, der wird dem Gericht verfallen sein.
Es sind mit den Alten nicht die Israeliten am Sinai gemeint, sondern die Begründer der Niederspanntradition.

"Du sollst nicht töten" ist Gottes Gebot vom Sinai.
Lo tirzach heißt soviel wie: nicht willkürlich und mutwillig Töten. Es ist damit weder Strafvollzug gemeint, noch Töten im "gerechten" Krieg.
Es betrifft das private Leben. Es betrifft, wie man mit anderen umgeht.

In diesem Rahmen kennen wir Ausdrücke wie "tödlicher Zorn, höllischer Neid, rasende Eifersucht, Blicke die töten, tödliche Beleidigung, usw.". - Wir wissen, dass Worte, Gesten und Andeutungen das Klima vergiften, so dass das Leben verkümmert.

Ein Hohenstaufer ließ in einem Experiment Neugeborene aufziehen, ohne dass mit ihnen geredet wurde, ohne dass sie außer Essen und Körperpflege Zuwendung bekamen. Die Kinder sind alle daran gestorben. Menschen brauchen positive Zuwendung, um leben zu können.

"Töten" beginnt nicht mit der Waffe in der Hand. Es beginnt im Herzen, setzt sich in Gedanken fort, äußert sich in Blicken, Gesten, Worten, Taten.

Das Gebot trifft uns jeden Tag im Zusammenleben mit anderen Menschen
Das Gebot legt unser Herz bloß und zeigt was drin steckt - so treibt es zur Hilfe (Jesus) hin.
Das Gebot trifft uns und zeigt über unser Ego hinaus. Der Nächste hat es nötig, daß wir sein Leben fördern.

Vers 22 Ich aber sage euch, dass jeder, der seinem Bruder zürnt, dem Gericht verfallen sein wird; wer aber zu seinem Bruder sagt: Raka! dem Hohen Rat verfallen sein wird; wer aber sagt: Du Narr! der Hölle des Feuers verfallen sein wird

Jesus führt hier die Weisung Gottes an Quelle des Übels. Zorn hat Folgen: er hat Auswirkungen, wenn er nicht gelöst wird.

Nebenbei:
er vergällt nicht nur dem andern das Leben, sondern vergiftet auch die eigene Seele. - So ist in diesem Gebot auch Selbstschutz und unbeschwertes Leben enthalten.


Mit Gericht meint er das Religiöse am Ort, ausgestattet mit dem Recht der Hinrichtung durch das Schwert. Es zeigt wie ernst Jesus - und damit Gott das Leben des anderen nimmt.

Raka heißt soviel wie "Hohlkopf" - Nicht Zorn, sondern Verachtung steckt hier dahinter. Man stellt sich über den anderen. Dem anderen wird die Würde genommen. Damit ist ausgedrückt, dass der andere wenig Wert im und zum Leben hat. Man macht ihm das Leben lebensunwert.

Das Synedrium ist der Rat der siebzig. Das höchste Gericht in Israel, zuständig für Gotteslästerung und religiöser Gräuel. "Hohlkopf mit Verachtung" ist ein Angriff auf Gott, den Schöpfer!

"Narr" ist ein Gottloser! auf Gottlose wartet die Hölle. So richtet man und verflucht und spricht ihm die Chance Möglichkeit für's Himmelreich ab. Hier wird im Wort wieder die Einstellung des Herzens sichtbar: Man spielt Richter und Gott! - Wenn diese Haltung weitergeht, blüht einem selbst die Hölle. Gott spielen geht über das menschliche Gericht hinaus.

Nebenbei:
Als Jesus gut ein Jahr später angeklagt wird, wird ihm vorgeworfen sich selbst Gott gleich zu machen, das Synedrium fällt nicht selbst das Urteil, sondern übergibt ihn an die Römer. Die hängen ihn ans Kreuz, was ein Fluch Gottes ist.

Gottes Weisung zum Leben wurde zum Strafgesetzbuch reduziert, um frei durch zu kommen. Eine Perversion und Riesentragik, die weite Kreise gezogen hat:
Als Mohammed im 7. Jahrhundert den Koran schrieb, hat er Teile von Juden und einiges von Judenchristen übernommen. Den Sinn hat er entweder nicht verstanden oder er wurde ihm nicht vermittelt. So hat Mohammed aus Torah und Neuem Testament ein Strafgesetzbuch gemacht, das das Leben des Stammes (Staates), der Familie, des Mannes und der Frau genau vorgibt. Die Verwirklichung der Scharia (hl. Gesetz des Islam) muss durch den Staat geschehen, der die Macht hat. Hier sehen wir auch die Degradierung der motivierenden Weisung zum Gesetz. "Islam" heißt übersetzt soviel wie "Hingabe und Unterwerfung".
So werden die Gebote auch heute noch ausgelegt. Die Fragen "Darf ein Christ..." weist auf Strafgesetzbuch - was ist noch erlaubt.
Manche lassen auch noch den Buchstaben beiseite und ignorieren jede Weisung unter Berufung darauf, dass Jesus das Gesetz erfüllt hat und sie zur Freiheit berufen hat. - Das ist unchristlich und Verachtung gegenüber Gott!

Jesus führt wieder zurück zur Weisung zum Leben - bekräftigt und erfüllt sie.

In Vers 23-24 bringt Jesus das Beispiel von der Versöhnung:

Wenn du nun deine Gabe darbringst zu dem Altar und dich dort erinnerst, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, 24 so lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh vorher hin, versöhne dich mit deinem Bruder; und dann komm und bring deine Gabe dar!

Jesus geht auf die Ebene des Strafgesetzes ein und zieht aber Gott mit hinein. Es ist Gottesdienst! Der Tempel bringt die Heiligkeit Gottes und das Opfer die Schuld des Menschen zum Vorschein. Wie kann man mit Gott Versöhnung suchen, wenn man sie mit dem Menschen nicht sucht. Der richtige Gottesdienst ist hier "Um Gottes Willen" etwas tun, auch wenn es gegen eigenes Ego geht.

Gottes Weisung fängt bei der Gesinnung an - nicht bei der Tat.
Gottes Weisung will im Frühstadium zur Besinnung führen.
Gottes Weisung begegnet der Sünde an der Quelle, stellt den Willen unter Gottes Hilfe und Kraft. - So wird das Schlechte mit dem Guten besiegt (Röm 12.21).

Wenn Jesus sagt, er ist gekommen das Gesetz zu erfüllen, dann tut er es hiermit.
Die Weisung macht uns unsere Verdorbenheit bewusst und treibt uns zum Herunterspannen oder zu Jesus hin. Bei beiden Richtungen bleibt eine gewisse Spannung des eigenen Unvermögens. Die erste Richtung bedeutet Kurzschluss und Tod. Die zweite Richtung ist die von Gott gewollte, sie bedeutet Entspannung und Leben.


Vergessen wir nicht, dass die Bergpredigt mit den Seligpreisungen beginnen: Zu beneiden ist wer unter der Herrschaft Gottes leben kann: da gelingt das Leben.

Amen.

März 1999